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Was bedeutet Gottesdienst eigentlich? Antworten finden Sie im Text (Foto: J. Gerhardt).

Gottesdienst

Der wesentliche Teil unseres Gottesdienstes kurz erklärt

Was gehört zum Gottesdienst? Als sich die Lutherkirchengemeinde mit dem Thema Gottesdienst intensiver beschäftigt hat, wurde deutlich, wie klar die Grundstruktur unserer Gottesdienste ist. Pfarrerin Ulrike Veermann berichtet. 

Wie wichtig die Wiedererkennbarkeit eines bekannten Ablaufes ist, die Sicherheit sich am Gottesdienst und seinen Abläufen beteiligen zu können. Zugleich war sehr deutlich sichtbar wie unterschiedliech die Liturgien der Gottesdienste schon in den Nachbargemeinden sind. So, dass wir unser Liturgieheft im Liederbuch noch einmal überarbeiten werden und deutlicher bewerben. So viel des Vorwortes: Aber was bedeutet Gottesdienst eigentlich?

Auftakt mit Glockengeläut

Eigentlich beginnt die Vorbereitung auf den Sonntagsgottesdienst am Samstagabend, wenn um 17.55 Uhr die Glocken den Sonntag einläuten, ein Symbol, das noch aus der Zeit unserer jüdischen Glaubensgeschwister kommt, der neue Tag beginnt schon am Vorabend. Vor Feiertagen läuten wir bereits um 17.50 Uhr. Ernst wird es für die direkten Nachbarn dann, wenn wir am Sonntag um 10.20 Uhr läuten, spätestens jetzt gilt es das Haus Richtung Kirche zu verlassen, die Glocken (drei an der Zahl) sagen, gleich geht es los, es passiert etwas Wichtiges, kommt herbei … Und dann beginnt der Gottesdienst mit dem Orgelvorspiel. Schon hier wird deutlich, welchen Stellenwert die Musik als Mittel der Verkündigung in unseren Gottesdiensten hat, sie konzentriert und öffnet zugleich die TeilnehmerInnen des Gottesdienstes und führt ein. Auf die Musik folgt nach der „reinen Lehre“ keine persönliche Begrüßung durch die Pfarrerin (im folgenden Liturgin genannt), sondern das erste Gemeindelied.

Die liturgische Begrüßung ist das sogenannte Votum, das heißt: „Wir feiern diesen Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Gott selbst ist also der Grüßende. Darauf folgt der Gruß der Liturgin an die Gemeinde: Der Herr sei mit Euch.

Der Wochenpsalm bedenkt das Grundthema

Eingangsgebet ist der jeweilige Wochenpsalm, ein Gebet aus dem 1. Testament, das danken, loben, klagen kann, je nach Grundthema des Sonntages. Es folgt das Sündenbekenntnis, das die Liturgin stellvertretend für die Gemeindeglieder spricht, es versucht Situationen zu beschreiben, in denen es schwer fallen kann so zu leben wie es die Schrift erwartet. Antwort auf das Sündenbekenntnis ist der sogenannte Gnadenspruch, ein Bibelwort, das Gottes Zugewandtheit zu uns Menschen deutlich macht und seine Liebe beschreibt, die immer wieder einen Neuanfang möglich macht und somit Vergebung zuspricht. Das Kollektengebet als Abschluss der Eingangsliturgie beschäftigt sich nicht mit der Kollekte als Geldsammlung, die im zweiten Teil des Gottesdienstes stattfindet, sondern ist die „Sammlung“ der Gedanken aus den ersten Gebeten und Liedern und die Überleitung zu Lesungstext und Predigt.

Feste Lesung und Predigttext für jeden Sonntag

Die Lesung (gehalten durch ein Mitglied des Presbyteriums) aus der Schrift entspringt einer der sechs Predigtreihen, aus der auch der Bibeltext für die Predigt entnommen ist. Die Predigtreihen (auch Perikopenordnung genannt) legen für sechs aufeinander folgende Jahre die Predigtetxte für die gesamte EKD fest. Die Pfarrer/innen sind gehalten sich an diese Ordnung zu halten, damit die gesamte Weite der Bibeltexte verkündigt wird. Natürlich darf die Liturgin von dieser Richtlinie abweisen, wenn es der Anlass des Gottesdienstes angeraten sein lässt. Alle sechs Texte haben ein gemeinsames Thema. So ergänzt der Lesungstext die Predigt. Auf die Lesung folgt der Hallelujaspruch, ein Bibelwort, das zeigt, dass unser Glaube uns immer wieder Grund gibt, Gott für seine Zuwendung zu den Menschen zu loben.

Unser Glaubensbekenntnis

Im Anschluss wird das apostolische Glaubensbekenntnis gemeinsam gesprochen. Alte Worte, die überliefert wurden als gemeinsame Grundlage des Glaubens der damaligen Zeit. Immer wieder wurden Versuche gestartet ein neues Glaubensbekenntnis zu formulieren, da im „alten“ Aussagen stehen, die nicht dem Stand heutiger theologischer Forschung entsprechen. Da aber jede neue Formulierung neue Differenzen herausfordert, haben sich die Kirchen auf Beibehaltung des „alten“ Bekenntnisses geeinigt und nutzen es wie auch die Schriften der Bibel als Dokumente einer anderen Zeit, deren Gemeinschaftsbildende Funktion bis heute wichtig bleibt. Es folgt das Gemeindelied, es ist das Lied des Sonntags, das sich am Thema des Kirchensonntags orientiert.

Predigt ermutigt, erklärt, regt an ...

Die Predigt ist im evangelischen Gottesdienst zentrales Element. Sie legt den jeweils vorgeschlagenen Predigttext aus und versucht die Bedeutung des alten Textes in die Istzeit zu übertragen und den Hörenden Anregung, Erklärung und Ermutigung zu sein. Im Anschluss folgt Musik zur Vertiefung oder das sogenannte Predigtlied. Darauf die Abkündigungen, so heißen die Nachrichten aus der Gemeinde und die Mitteilung über verstorbene Mitglieder. Ebenfalls gehört die Bewerbung der zwei Kollekten des Gottesdienstes dazu. Hier bedeutet Kollekte Sammlung, im Lied nach der Abkündigung für die Diakonie der eigenen Gemeinde oder Brot für die Welt, am Ausgang für einen zumeist von der Landeskirche vorgeschlagenen Zweck (siehe letzter Gemeindebrief). Ein Gottesdienst ist keine Gottesdienst ohne Sammlung für Menschen, die unserer Hilfe bedürfen, so sammelten schon die ersten Gemeinden für die neu zu gründenden Gemeinden des Paulus.

Fürbitten bündeln unsere Gedanken für die Welt

Nach einem weiteren Gemeindelied folgt die Fürbitte. Sie ist ein Gebet, das mit Dank und Bitte den Gottesdienst bündelt. Es ist die Möglichkeit nach dem Dank in einem Dreischritt für die Anwesenden und ihre Sorgen zu bitten und für die Menschen, um die wir uns sorgen. Nicht zuletzt aber auch den Blick für die Welt außerhalb der Kirchenmauern zu beten, die uns als Aufgabe geschenkt ist. Die Worte, von der Liturgin gewählt, gehen über in das Vaterunser, das alle unausgesprochenen Worte mit hinein nimmt in dieses Gebet, das Jesus Christus selbst seinen Jüngern weiter gegeben hat, dazu läuten die Glocken. Der Segen, zumeist der Aaronitische: Gott segne Euch und behüte Euch, er lasse sein Angesicht leuchten über Euch und sei Euch gnädig, er erhebe sein Angesicht auf Euch und schenke Euch seinen Frieden. Ein Segen, der uns mit den beiden anderen monotheistischen Religionen verbindet. Die Gemeinde antwortet mit Amen (deutsch: So sei es). Abgeschlossen wird der Gottesdienst mit dem Orgelnachspiel, zu dem wir in der Lutherkirche sitzen bleiben, als Wertschätzung der Musik und um die Gedanken des Gottesdienstes nachklingen zu lassen.

uv/csc / 08.09.2019


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