Losung für den 26.04.2019

Der HERR spricht: Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen. Jesaja 55,2

Müht euch nicht um Speise, die vergänglich ist, sondern um Speise, die da bleibt zum ewigen Leben. Dies wird euch der Menschensohn geben; denn auf ihm ist das Siegel Gottes des Vaters. Johannes 6,27

Gottesdienste

Hier finden Sie die Termine der Gottesdienste für die nächsten sieben Tage.

Gottesdienste

Gottesdienst, Taufen & Trauungen

Glocke

Hören Sie die Glocken der Lutherkirche. Dazu finden Sie Infos zu Gottesdienst, Kindergottesdienst, Taufe und Trauung.

Gottesdienst, Taufen & Trauungen

Spenden

Danke! Wir freuen uns über jede, auch kleine Spende. Sie kommt ohne Abzüge direkt unserer Arbeit zugute.

Spenden

Spenden Sie

PROtestant

Logo PROTESTANT

Der PROtestant ist die evangelische Zeitung für Multiplikatoren aus Gesellschaft und Kultur, Politik und Wirtschaft im Großraum Bonn.

PROtestant

Service

Bild-LupeOrgeltisch in der Lutherkirche (Foto: J. Gerhardt)

Thema Orgel

Eine neue Orgel? Antworten und Einschätzungen zu einer großen Herausforderung

Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende Ulrike Veermann und Kantor Marc Jaquet erklären die Hintergründe zum möglichen Orgelneubau in der Lutherkirche.

Die Orgel der Lutherkirche ist in vielfacher Hinsicht mangelhaft. Das Presbyterium hat nach intensiven Beratungen durch Experten beschlossen, einen möglichen Neubau anzugehen. Hier lesen Sie Antworten vielleicht auch auf Ihre Fragen zu diesem großen Projekt von Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzenden Ulrike Veermann und Kantor Marc Jaquet:

Warum muss überhaupt etwas an der Orgel getan werden? Sie spielt doch noch …

Unsere Orgel weist zahlreiche Mängel auf. Einige Beispiele seien hier genannt: Die elektrische Anlage erfüllt in keiner Weise die heutigen Sicherheits- und Brandbestimmungen. Die gesamte Elektrik ist unzulässig und teilweise marode. Im Spieltisch wurden Temperaturen bis zu 90 Grad gemessen. Es besteht Brandgefahr. Durch Materialermüdung brechen zum Beispiel immer mehr Registerzüge am Spieltisch ab und erschweren die Handhabung erheblich. Auch an den Bälgen im Inneren der Orgel wird das Leder brüchig, es zeigen sich Risse. Der Winddruck ist gerade bei lautem Spielen nicht konstant genug, was sich durch leichte scheinbare Verstimmungen während des Spielens bemerkbar macht. Gerade bei vollbesetztem Kirchraum und entsprechend „trockenerer“ Akustik fällt dies deutlich auf.

Betreff Pfeifenwerk, Klang und Intonation: Viele Register sind in klanglicher Hinsicht kaum brauchbar oder sinnvoll einsetzbar, da sie klanglich instabil sind, zu spitz bzw. schrill klingen und/ oder sich mit den anderen Klangfarben der Orgel schlecht „mischen“. Nur wenige Register können solistisch genutzt werden, da die klanglichen Eigenschaften vieler Register unzulänglich sind.

Ist eine neue Orgel wirklich nötig? Warum kann sie nicht saniert werden, das ist doch günstiger?

Natürlich ist eine Sanierung deutlich günstiger als ein Neubau. Richtig ist aber auch, dass der Wert unserer Orgel im jetzigen Zustand bei geschätzten 50.000 Euro liegt und bei einer Sanierung mit der zehnfachen Kostensumme, nämlich rund 500.000 Euro, gerechnet werden muss. Der Orgelsachverständige der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Schwartz weist ausdrücklich in der Ausschreibung für einen Neubau darauf hin, dass die Sanierungskosten in keinem Verhältnis mehr zum Nutzen stehen. Außerdem kann an der ungünstigen Registerzusammenstellung kaum etwas geändert werden – die räumliche Anordnung im Innern der Orgel lässt dies aus verschiedensten Gründen nicht zu. Die Orgel bleibt also auch nach der Sanierung immer noch ein „Flickwerk“ mit offenen „Baustellen“. Im Übrigen ist der Zeitraum, in dem die Orgel nicht für Gottesdienste und Konzerte genutzt werden kann, bei einer Sanierung doppelt so groß als bei einem Neubau.

Warum sind die Sanierungskosten so hoch? Und kann man nicht erst das „Nötigste“ machen lassen?

Die Mängelliste unserer Orgel setzt sich, wie bereits beschrieben, aus verschiedenen „Bereichen“ des Instruments zusammen. Es macht aber bei einem so komplexen Instrument, wie der Orgel, keinen Sinn, die Mängel „Stück für Stück“ zu beheben, oft erhöht es sogar die Fehleranfälligkeit, wenn „altes“ und „neues“ Material zusammenarbeiten muss und im Endeffekt würde es teurer werden und die Orgel insgesamt viel länger für die verschiedenen Arbeiten im Gottesdienst ausfallen.

Im Orgelbau sind nicht die Material, sondern die Personalkosten durch den hohen Zeitaufwand für den größten Teil der Gesamtsumme verantwortlich. Ein Beispiel:

Für einen homogeneren Klang müssten alle Pfeifen neu intoniert werden, eine handwerkliche wie künstlerische Aufgabe. An jeder Pfeife gibt es über 20 „Stellen“ an denen der Klang durch den Intonateur bearbeitet werden kann. Jede Änderung an einer dieser „Stellen“ beeinflusst wiederum alle anderen. Man kann sich also vorstellen, wie viel Zeit und Geduld für diese Arbeit für die fast 3000 Pfeifen der Orgel benötigt wird. Dieser Posten fällt aber sowohl bei der Sanierung, als auch bei einem Neubau an.

Aber die Orgel klingt doch eigentlich ganz gut. Muss eine „Klangverbesserung“ denn wirklich sein?

Ja! Wie schon oben beschrieben, lassen sich viele klangliche Mängel nur durch Hinzufügen mehrerer anderer Register zu einem „Blockklang“ kaschieren, da die Lutherkirche in dieser Hinsicht eine relativ „gnädige“ Akustik besitzt. Die Folge davon ist aber, dass im Prinzip immer die gleichen sieben oder acht Registrierungen im Gottesdienst zu hören sind. Musikalische Vielfalt, Lebendigkeit und Aussagekraft im Dialog mit dem gesprochenen Wort sehen anders aus. 

Im Konzert ist das Problem mindestens genauso prägnant: Ein Großteil der reichhaltigen kirchenmusikalischen Orgelliteratur ist kaum adäquat darstellbar – in klanglicher Hinsicht und aus Gründen der ungünstigen Gesamtdisposition des Instruments. Daher ist sie auch für die musikalische Zukunft alles andere als gerüstet. Aufgrund ihrer schwachen Grundtöne ist sie zudem kein adäquates Begleitinstrument für den Posaunenchor und mischt sich klanglich nicht gut mit anderen Instrumentalensembles.

Generell ist es mit dem Klang wie mit vielen anderen Dingen auch: Man gewöhnt sich an vieles. Das heißt aber nicht, dass es deswegen gut ist. Und gerade in einer Zeit, in der fast jedwede Musik im Internet zur Verfügung steht, ist es mir wichtig, dass das Live-Erlebnis überzeugend ist, den Zuhörer packt, die Klänge „spürbar“ sind und „ans Herz“ gehen. 

Warum hat man die Orgel denn überhaupt so gebaut, wenn man so viele Werke gar nicht richtig darauf darstellen kann?

Unsere Orgel in der Lutherkirche ist ein Kind ihrer Zeit. In der Mitte des 20. Jahrhunderts sah man symphonisch-romantische, lyrische und warme Orgelklänge (wir würden sagen: „an das Herz gehende Klänge“) als „dekadent“ an und bevorzugte eine spitze und grundtonarme Klanggebung, was es in dieser prägnanten Form hunderte Jahre vorher nie gab und auch seit den 1970er/80er Jahren wieder als unbefriedigend verworfen wurde. Allerdings wurden ja gerade nach dem zweiten Weltkrieg sehr viele Instrumente neu gebaut – eben mit genau diesem Ideal. Es wurde vielfach ein idealisiertes „Barock-Klangbild“ angestrebt, das es allerdings – wie man mittlerweile weiß – so auch nie gegeben hat.

Dabei wurden zum Teil sogar historische barocke Instrumente „verschlimmbessert“. Zudem wurde bei entsprechenden Orgelkonzeptionen kaum Rücksicht auf die akustischen Eigenschaften des Kirchenraumes genommen. Die Priorität lag weniger in der Klangschönheit als in der klanglichen Transparenz. Unsere Orgel ist daher für viele Stilrichtungen ziemlich ungeeignet. 

Tut es nicht eine gute gebrauchte Orgel?

Eine Orgel muss von vorneherein auf die akustischen und räumlichen Gegebenheiten des Raumes hin konzipiert werden. Gute Orgelbauer analysieren vor dem Bau einer Orgel erst die klanglichen Eigenschaften des Raumes in der Verbindung mit dem gewünschten Standort der Orgel. Eine Orgel nachträglich in einen nicht für sie gedachten Raum zu setzen ist also keine befriedigende Alternative. I

st die Orgelmusik uns denn heute noch so wichtig?

Die Orgelmusik zählt zusammen mit dem Gemeinde- und Chorgesang seit jeher zu den maßgeblichen Säulen der protestantischen Kirchenmusik. Für Martin Luther gehörte die Musik zur höchsten Kunstform und sie nahm für ihn den zweiten Platz direkt hinter der Theologie ein. Musik im Gottesdienst – ob vokal oder instrumental – ist Verkündigung. Daher besitzen nicht nur die Orgelbegleitungen für die Gemeindelieder oder die liturgischen Gesänge, sondern auch die freie Musik (zum Beispiel Vor- oder Nachspiele) einen hohen inhaltlichen Stellenwert. Gleichzeitig geschieht mit dem Erklingen älterer oder zeitgenössischer Orgelmusik auch eine Bewahrung und Weiterentwicklung einer überaus reichhaltigen Tradition, sowohl in ihrer Verkündigungsfunktion im Kontext der Liturgie als auch als eigenständige Kunst. Religion und Kunst stehen in der protestantischen Musik in engster Beziehung.

Die Orgel wird als „Königin der Instrumente“ bezeichnet: Kein anderes Instrument ist in der Lage, alle Töne von der unteren bis zur oberen menschlichen Hörgrenze erzeugen zu können. Eine gut intonierte und disponierte Orgel gleicht mit ihren vielen Klangfarben und der dynamischen Bandbreite einem Orchester mit seinen verschiedenen Instrumenten und bietet Millionen von Klangfarbenzusammenstellungen (wenn die Qualität der Register es zulässt). Auch wenn es nicht auf den ersten Blick so aussieht: Die Orgel ist, obwohl es sie schon über 2000 Jahre gibt, immer noch ein innovatives Instrument. Sie wird bis heute unentwegt weiterentwickelt und kann Organistinnen und Organisten und Komponistinnen und Komponisten beständig neue Ideen liefern. Nicht zuletzt benötigt die Orgel Wind, um zu klingen, man könnte auch sagen: Die Orgel hat einen „Atem“. Eine gut intonierte und disponierte Orgel vermag es mit ihrem „Atem“, dem Menschen ganz nahe zu kommen: sie kann berühren, trösten, begeistern, tanzen, meditieren, lärmen, beruhigen … Dass die Orgel als Instrument, an dem es schier unendlich viel zu entdecken und auszuprobieren gibt, schon Kinder fasziniert und begeistert, können wir in der Lutherkirche regelmäßig feststellen, sei es bei Führungen oder „am Rande“ eines Gottesdienstes.

Herr Kantor, warum sind Sie zur Lutherkirche gekommen, obwohl die Orgel so schlecht ist?

Marc Jaquet: Weil die Lutherkirchengemeinde eine überaus lebendige und herzliche Gemeinde ist, die für vielerlei musikalische Aktivitäten ein offenes Ohr hat und sich sehr für die Pflege der Kirchenmusik einsetzt. Man spürt als Kirchenmusiker deutlich die Wertschätzung der musikalischen Präsenz auf allen Ebenen, ob bei Altenheimgottesdiensten, Benefizessen, Kindergarten- oder Seniorenweihnachtsfeiern, „großen“  und „kleinen“ Gottesdiensten, Konzerten und vielem mehr. Und dass man daneben in einer Gemeinde viel Raum für die individuelle künstlerische Entfaltung bekommt, ist auch nicht überall so selbstverständlich.

Kirche muss sparen, ist dann so ein Projekt angesagt?

Ulrike Veermann: Wir wissen, dass das Projekt Orgelneubau ein ambitioniertes Projekt ist und wir werden versuchen müssen die Gelder durch engagiertes Fundraising zu akquirieren. Da in der Lutherkirche die Kirchenmusik einen hohen Gemeindeaufbauenden Wert hat, im Gottesdienst, in den Chören und in den Konzerten halten wir die Fortsetzung dieser musikalischen Verkündigungsarbeit für unverzichtbar. Sie macht einerseits Menschen neugierig auf den Kirchenraum und das Geschehen in einer Gemeinde und bietet andererseits Heimat im gewohnten Wohlklang der Musik aus allen Zeiten. Allein zu erleben wie Kinder in Schulgottesdiensten auf den Klang der Orgel reagieren, zeigt mir die Kraft, die in den lauten und leisen Tönen liegt.

Geht es gar auf Kosten anderer?

Nein. Erinnern Sie sich? Vor wenigen Jahren hat sich unsere Gemeinde entschieden eine zweite Kita zu eröffnen, auch da stand die Frage, können wir uns das leisten zur Diskussion. Müssen wir dann nicht auf anderes verzichten? Wir haben ja gesagt, und wir spüren, wie sehr die zweite Kita unsere Arbeit bereichert hat. All unsere laufenden Aufgaben können wir aus Kirchensteuermitteln erfüllen. Dafür sind wir sehr dankbar, das liegt unter anderem an den relativ hohen Kirchensteuereinnahmen, aber auch an den Mithäusern, die unseren Haushalt mit ihren Einnahmen stützen.

Wie bekommt man 1 Mio. Euro zusammen?

Hier sind Sie mit Ihren Ideen gefragt, um dem Orgelbauverein der Gemeinde zu helfen weite Wege zu gehen, bunte Wege zu gehen, vielfältige Wege zu gehen. Wir wollen versuchen, Menschen zu finden, die bereit sind sich an der Finanzierung zu beteiligen, Menschen, die sagen, mein Herz schlägt für die Kirchenmusik und ich bin bereit, mich dafür zu engagieren, sei es durch eine Einzelspende oder einen monatlichen kleinen oder großen Beitrag, der am Ende die zu erreichende Summe ergibt. Wir werden Orgelpfeifen- und Registerpatenschaften anbieten, Benefizkonzerte geben und vieles mehr. Wir werden versuchen Partnerschaften mit Unternehmen in unserem Gemeindegebiet zu schließen, die vielleicht mit einem Orgelcent oder Werbeaktionen dazu beitragen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Was passiert, wenn das Projekt nicht klappt?

Wir werden erst den Auftrag herausgeben, wenn mindestens 60 Prozent der Auftragssumme erreicht sind, dafür nehmen wir uns Zeit. Das heißt, es wird noch einige Jahre dauern, bis es losgehen kann. Sollten wir die notwendige Summe mit Ihrer Hilfe doch nicht erreichen, dann müssen wir uns leider von der erhofften Anschaffung einer neuen Orgel verabschieden und werden die gewidmeten Spenden zurückzahlen. Aber, wir schaffen das.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

csc / 14.04.2019



© 2019, Evangelische Lutherkirchengemeinde Bonn
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung