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Aktueller Stand zur Flüchtlingshilfe: Vieles ist im Fluss ...

Zum aktuellen Stand der Flüchtlingshilfe der Lutherkirchengemeinde vor allem auf dem Gelände der Ermekeilkaserne hier ein Bericht von Presbyter Dr. Hilmar Hüneburg:

Viele Menschen finden hier zumindest vorübergehend einen Platz und Hilfe: die Ermekeilkaserne in der Südstadt (Foto: j. Gerhardt) LupeViele Menschen finden hier zumindest vorübergehend einen Platz und Hilfe: die Ermekeilkaserne in der Südstadt (Foto: j. Gerhardt)

Mehr als 300 Flüchtlinge leben jetzt in der ehemaligen Ermekeilkaserne. Lange hat es gedauert, bis sie eintrafen. Und noch länger wird ihre Versorgung und Betreuung unser Land und unsere Stadt beschäftigen und uns in der Lutherkirchengemeinde ein wichtiges Anliegen sein.
Im November 2014 hörten wir erstmals von der Stadt Bonn, sie wolle wegen des anhaltenden Flüchtlingsstroms eine Flüchtlingsunterkunft im Hof der Ermekeilkaserne in der Südstadt errichten. Damals betreute die Stadt 811 Flüchtlinge aus mehr als 30 Nationen. Die Pläne sahen ein dreigeschossiges Gebäude aus übereinander gesetzten Containern vor. Im dritten Quartal 2015 sollten dort 80 Flüchtlinge untergebracht werden. Es entwickelte sich eine beeindruckende Hilfsbereitschaft und Anteilnahme und setzte ein Zeichen gegen das Auftreten von "Bogida", einer lokalen Gruppe von "Pegida", die sehr bald verschwand.

Breite Vernetzung der Hilfe wird angestrebt

Noch fehlte ein Forum für die Hilfswilligen, ein Ort der Begegnung und des Austausches. Die Lutherkirchengemeinde wurde aktiv: Im Wohnzimmer unserer Pfarrerin sollte das erste „NetzwerkTreffen Flüchtlingshilfe“ stattfinden. Es meldeten sich jedoch so viele Menschen, dass wir am 18. Januar 2015 das Gemeindezentrum zum Treffpunkt machten. Es kamen interessierte Bonner, auch Initiativen und Vereine, die helfen und den Kriegsflüchtlingen und ihren Betreuern zur Seite stehen wollten. Wir vereinbarten die verschiedenen Ideen und Initiativen zu sammeln, sinnvoll zu bündeln, um Überschneidungen zu vermeiden und daraus eine umfassende ehrenamtliche Betreuung anzubieten.

Jeder Teilnehmer, jede vertretene Organisation berichtete, was möglich sei und welche Ideen und Fähigkeiten angeboten würden. Wichtig erschien es allen, eine Koordinationskraft einzusetzen, die den Flüchtlingen nahe ist und ihren Bedarf schnell und sicher einschätzen und die Hilfen abstimmen kann. Die Erfahrungen und Erkenntnisse des Ökumenischen Arbeitskreises „Asyl & Zuflucht“ (www.oekumenischer-ak-endenich.de) der Gemeinden St. Maria Magdalena, Christi Auferstehung und Trinitatis wollten wir nutzen. Der Arbeitskreis betreut seit Anfang 2014 mittlerweile 180 Menschen aus 26 Herkunftsländern im Paulusheim in Endenich. Wir nahmen Kontakt auf, wurden herzlich aufgenommen und seitdem bestens informiert.

Ein- und Ausgang werden kontroliert, zum Schutz für alle (Foto: J. Gerhardt) LupeEin- und Ausgang werden kontroliert, zum Schutz für alle (Foto: J. Gerhardt)

Land und Stadt müssen sich abstimmen

Wir hörten auch, dass die Stadt das Angebot erhalten hätte, die Gebäude der ehemaligen Kaserne vorübergehend von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (MImA) zu mieten, der Behörde, die den Bundesbesitz verwaltet. Aber dass auch das Land NRW prüfe, ob es die Ermekeilkaserne nutzen wolle. Diskutiert wurde auch, ob es angesichts des Ziels einer „dezentralen Unterbringung“ nicht sinnvoll sei, privaten Wohnraums zur Verfügung zu stellen. Die Stadtverwaltung lehnt dies in der Regel ab, weil die Flüchtlinge dann nicht zentral von der Verwaltung betreut werden könnten.

Beim nächsten NetzwerkTreffen im März wurde aus der Bezirksregierung und der Stadtverwaltung berichtet: Das Land NRW wolle den „Erstzugriff“ auf die Ermekeilkaserne. Es plane dort eine „Notunterkunft“ einzurichten. Dies bedeutet: Die Flüchtlinge verbleiben nur etwa 2 Wochen in den Notunterkünften. Sie müssen alle an einem Tag zur Registrierung in die Zentrale Ausländerbehörde Köln gefahren werden. An einem weiteren Tag zum Bundesamt für Migration nach Düsseldorf. Dort findet die Anhörung statt. Verläuft sie abschlägig, so sei die Abschiebung schnell zu erwarten. Wird hingegen ein Asylverfahren eingeleitet, so erfolgt die sofortige Verlegung („Kommunale Zuweisung“) in eine andere Stadt. Bonn könnte es auch sein.

Der Durchlauf durch die Erstunterkunft sei folglich sehr hoch, viele Flüchtlinge würden die Einrichtung schnell verlassen, neue dann eintreffen. Wir fragten, wie Ehrenamtliche die Flüchtlinge unterstützen könnten. Die verantwortlichen Stellen antworteten, es gäbe keinen Unterstützungsbedarf. Es wäre vielleicht schön, Sport oder Joggen anzubieten. Die Flüchtlinge müssten jedoch auf Abruf im Gebäude bleiben, da die Fahrten nach Köln oder Düsseldorf anstünden.

Eine "Notunterkunft" hat anderen Bedarf als ein Flüchtlingswohnheim

Die Enttäuschung war groß. In einer „Notunterkunft“ sahen die Netzwerkmitglieder keine Chancen für ehrenamtliche Hilfe. Nur wenn die Einrichtung als „Flüchtlingsheim“ von der Stadt Bonn für die ihr Zugewiesenen genutzt würde erschienen unsere Ideen umsetzbar.
Zur Sitzung im April kamen schon weniger Unterstützungswillige. Es gab kaum neue Nachrichten von der Bezirksregierung Köln. Ja, das Land NRW werde die Kaserne als Erstaufnahme – Einrichtung in Dienst nehmen. 60 Personen sollten aufgenommen werden. Wer die Betreuung dort übernehme sei noch nicht entschieden. Der Aufenthalt der Flüchtlinge werde 2 Wochen - 3 Monate betragen. Aktionen gegen die Langeweile der Flüchtlinge seien gut. Einen Ausweis erhalten sie jedoch erst nach der Registrierung, erst dann dürfen sie das Gelände verlassen. Deutschunterricht sei gut, auch wenn es nur einige „Brocken“ wären. Namen und Begrüßung seien wichtig. Weitere Angebote könnten sein: Zum Kaffee oder zu Eis einladen, die Stadt zeigen, einen Zoo besuchen, die Waldau, Schwimmen gehen, Fußball spielen, eine Kleiderkammer betreiben…. Alles müsse mit dem Betreiber abgesprochen werden. Offen blieb auch, ob Kinder in die Schule gehen müssen und ob eine zeitweise Unterbringung von Kindern erforderlich sei.

Die neue Angabe der Aufenthaltsdauer machte stutzig. Also doch mehr als zwei Wochen? Wie könnten Angebote gemacht werden, wenn die Flüchtlinge in Düsseldorf oder Köln sind, wenn sie keinen Ausweis haben, um das Kasernengelände verlassen zu dürfen?

Am 20. Mai informierte dann der stellvertretende Regierungspräsident im Gemeindezentrum über den aktuellen Planungsstand. Der Saal war voll. Neue Zahlen wurden genannt. Daraus entstanden neue Fragen: Wenn das DRK die Einrichtung („Notunterkunft“, Aufenthalt für 1 - 2 Monate, 250 - 300 Flüchtlinge) übernähme würden festangestellte Kräfte des DRK, Erzieher und andere Betreuungskräfte tätig. Was bliebe dann für die Ehrenamtlichen übrig? Das DRK kündigte an, man wolle die Ehrenamtler zwar einbinden, vieles sei aber schon durch Professionelle abgedeckt. Als Aufgaben für Ehrenamtler wurden wieder „Maßnahmen gegen die Langeweile“ genannt, die den Flüchtlingen die Zeit möglichst angenehm gestalten sollten. Beispiele seien Kontakte mit Jugendlichen und Kindern der Gemeinden, Kooperationen mit Sportvereinen und dem Städtischen Jugendhaus, Teilnahme an den Aktivitäten der Ermekeilinitiative. Auch eine Einführung in die Gepflogenheiten unserer Gesellschaft sei wünschenswert. Wer denn käme? Das blieb unklar, da die Flüchtlinge nicht nach Nationalitäten verteilt werden. Wann Flüchtlinge kämen? Vielleicht im August.

Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz

Anfang August wurde bekannt, das DRK sei seit dem 1 Aigust Interimsbetreiber der Unterkunft in der Ermekeilkaserne. In Kürze werde der DRK Kreisverband Bonn hauptamtlich den Betrieb übernehmen. Hinzukommen würden Erzieher, Sozialpädagogen und andere Helfer.
Am 10. August trafen wir uns wieder in unserem Netzwerk. Das DRK habe derzeit keinen Bedarf an Kleiderspenden, Wäsche, Schuhen. Auch Kinderräder, Roller und Spielzeug seien reichlich vorhanden. Es werde derzeit vieles abgegeben. Eine Orientierungshilfe für die Flüchtlinge sei wichtig: Wo sind U- Bahn, Supermarkt, Kirche usw. Es wäre sinnvoll, eine Karte zu erstellen. Dazu erklärten die Vertreter die Ermekeil – Initiative, so etwas gäbe es bereits. Auch existierten schon eine Fahrradwerkstatt, ein Repair – Café, wo vieles repariert werde könne und eine Nähstube, sogar eine Kleiderkammer. Es gäbe Informationsmaterial, z.B. Karten der Umgebung mit Orten der Bankautomaten und anderen wichtigen Hinweisen.

Vom DRK-Kreisverband hörten wir, eine dauerhafte Leitung der Einrichtung werde jetzt eingestellt und solle auch das Ehrenamt koordinieren. Die Gesamtverantwortung liege beim Betreiber, dem alle Hilfsangebote gemeldet werde sollten. Auch die externen Aktivitäten sollten vom Leiter koordiniert werden, damit nicht zwei unterschiedliche Kreise entstünden.

Unsere große Gruppe aus unterschiedlichen Organisationen und vielen einzelnen Hilfswilligen, die aus kleinen Anfängen entstanden und in den letzten Monaten wieder gewachsen war, löste sich folgerichtig mit dieser Sitzung auf.

Leider versiegten dann die Informationswege. Aus der Ermekeilkaserne hörten wir nichts mehr, wenn wir nicht beständig versucht hätten, etwas über die Situation zu erfahren. Wo und wie wir helfen könnten? Ja, Bügelbretter und Bügeleisen, ein Beamer zur Projektion von Fernsehbildern fehlten. Die Gemeinde machte manche Anschaffung möglich.

Ende September wurde die Stadt Bonn überraschend im Zuge ihrer Amtshilfe für das Land NRW veranlasst, in der ehemaligen Ermekeilkaserne 300 zusätzliche Flüchtlinge unterzubringen. Nun leben Flüchtlinge, deren Asylverfahren noch nicht angelaufen ist, in einem Gebäude, das als Erstaufnahmeeinrichtung dient, andere, die der Stadt Bonn bereits zugewiesenen sind, in einem anderen Haus. Alle essen in der gleichen Cafeteria. Die Kinder aller spielen auf dem weitläufigen Gelände, fahren mit ihren Rollern um die Wette. Die Flüchtlinge verstehen jedoch nicht, dass sie unterschiedlich behandelt werden. Dass die einen ihre Hygieneartikel gestellt bekommen, die anderen sie jedoch selber kaufen müssen, dass die einen auf dem Gelände für 1,06 € pro Stunde arbeiten dürfen, die anderen aber nicht! Die Rechtsvorschriften für beide Gruppen unterscheiden sich erheblich und erschweren das Miteinander.

Ab Januar Koordinationskraft für die ehrenamtliche Arbeit auch mit Mitteln unserer Kirchengemeinde

Seit Januar steht nun eine qualifizierte und erfahrene Sozialpädagogin als Koordinationskraft für den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer zur Verfügung. Die Lutherkirchengemeinde beteiligt sich an der Finanzierung ihrer Stelle, die wir schon vor einem Jahr für erforderlich hielten. Als wir sie kürzlich aufsuchten nannte sie uns „helphelp2“ als Smartphone – App und „spendabel.org“ als Portale, die den aktuellen Bedarf der Flüchtlingseinrichtungen anzeigen. Mehr als 500 ehrenamtliche Helfer unterstützen heute die Flüchtlinge und die hauptamtlichen Helfer des DRK in der Ermekeilkaserne! Gesucht werden immer noch Dolmetscher für Arabisch, Persisch, Englisch, Französisch. Auch Helfer, die Materialtransporte auch kurzfristig übernehmen oder Flüchtlinge bei Aktivitäten außerhalb der Kaserne begleiten könnten. Die Fahrradwerkstatt benötigt fachkundige Hände. Spenden sind immer willkommen: Papier, Stifte, Wasserfarben, Männerunterwäsche und –schuhe, Koffer, Rucksäcke, Hygieneartikel, Kinderwagen, Winterjacken, Kinderbücher auf Arabisch und vieles mehr!

Wir haben gelernt, dass die Informationen der Behörden über Zeitabläufe, Betreuungszeiten und Flüchtlingszahlen zuerst klar und eindeutig erschienen. Dann jedoch holte die Wirklichkeit die Planenden ein. Alles änderte sich schnell und wird im Fluss bleiben. Und die Betreuer vor Ort erleben immer neue Fragestellungen, die sie selber lösen müssen.

Die Herausforderungen steigen, ein langer Atem ist gefragt! Die vielen Menschen, die mit Herz und großem Engagement versuchen, die Situation für die Flüchtlinge erträglich zu gestalten, brauchen Zuversicht und Kraft. Wir können helfen und unterstützen, jeder nach seinen Möglichkeiten. Sei es durch persönliches Mitarbeiten im Helferkreis, sei es durch Geld- oder Sachspenden oder durch die feste Haltung zu unserem christlichen Auftrag, wenn die Diskussionswogen hochschlagen!
Hilmar Hüneburg

Dr. Hilmar Hüneburg gehört mit Theo Nürnberg zum Koordinations-Team der Flüchtlingshilfe der Lutherkirchengemeinde

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ger / 29.01.2016



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