für den 19.05.2012
So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.
5.Mose 7,9
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So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten.
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Das Magnificat, einer der wichtigsten biblischen Texte, ist in der Kirchenmusikgeschichte vielfach vertont worden. (Foto: Joachim Gerhardt)
Volker Kriegsmann, Solo-Oboist im Bonner Beethovenorchester, und Berthold Wicke, Kantor der Lutherkirche gestalten einen Duo-Abend mit Magnificat-Vertonungen von J. S. Bach und Joseph Rheinberger sowie vorweihnachtlicher Musik von Gaston Litaize und Olivier Messiean. Mit der jungen Saxfonistin Julia Kriegsmann zum Trio erweitert, beschließen die Musiker den Abend mit einer überraschenden Adaption von Bachs Orgeltrio in Es-Dur.
Programm „MAGNIFICAT”:
Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
· Meine Seele erhebt den Herrn BWV 648
· Magnificat BWV 733
Orgel solo
· Sonate g-moll nach BWV 1030
Andante
Largo e dolce
Presto/Allegro
Oboe und Orgel
Josef Rheinberger (1839 – 1901)
· Orgelsonate a-moll “Tonus Peregrinus” op. 98,1
Tempo moderato
Orgel solo
· Andante pastorale
Oboe und Orgel
· Fuga cromatica
Orgel solo
Gaston Litaize (1909 -1991)
Diptyque über B-A-C-H
Andantino
Scherzo
Oboe und Orgel
Olivier Messiaen (1908 – 1992)
Dieu parmi nous
aus: La Nativité du Seigneur
Orgel solo
Johann Sebastian Bach
Sonate Es-Dur nach BWV 525
Allegro
Adagio
Allegro
Oboe, Altsaxofon und Orgel
Volker Kriegsmann – Oboe
Julia Kriegsmann – Saxofon
Berthold Wicke – Orgel
Erläuterungen:
Magnificat – so lautet das erste Wort eines Textes, der in der Kirchenmusik eine ganz besondere Rolle spielt, eines Textes nämlich aus dem Lukasevangelium (1,46 – 58). In der Lutherbibel ist er überschrieben mit „Marias Lobgesang” und beginnt dort mit den Worten: „Meine Seele erhebt den Herrn und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilands.” Es ist das Lied der schwangeren Maria, das sie anstimmt, als sie ihre Verwandte Elisabeth besucht und von ihr als „Mutter des Herrn” gepriesen wird. In jüngerer Zeit hat die feministische Theologie diesen Text in besonderer Weise für sich in Anspruch genommen und seine geradezu revolutionären Aussagen betont („er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhöht die Niedrigen”) – Aussagen aus dem Mund einer Frau zu einer Zeit, da das Patriarchat noch fraglos und selbstverständlich war und es Frauen ganz und gar nicht zukam, sich in Politik einzumischen. - Dies ist freilich nur eine unter den zahlreichen Interpretationen, die das Magnificat erfahren hat. Die Vertonungen, die in der Advents- und Weihnachtszeit in der Lutherkirche zu hören sein werden, dokumentieren auf ihre Weise, wie unterschiedlich und vielfältig Komponisten sich mit diesem Text auseinandergesetzt haben.
Bach hat in einem seiner Schübler-Choräle eine eigene Vorlage, nämlich den 5. Satz aus Kantate 10 „Meine Seele erhebt den Herrn“ zu einem Orgeltrio mit Cantus firmus im Sopran transskribiert. In der Magnificat-Fuge BWV 733 erscheint eben dieser Cantus firmus wirkungsvoll gegen Ende des Stücks im Bass als Krönung eines kontrapunktisch dichten, imitatorischen Satzes.
Eine ähnliche Steigerungswirkung, nun freilich mit den klanglichen Mitteln der Orgelromantik, erreicht Josef Gabriel Rheinberger in seiner vierten Orgelsonate, wenn er am Ende der Schlussfuge (deren Thema eine über eine ganze Oktave nach unten gerichtete chromatische Tonleiter darstellt) den Tonus Peregrinus „Pleno et maestoso“ erscheinen lässt.
Mit „Tonus Peregrinus“ wird ein „Psalmton“ bezeichnet, der als Melodiemodell traditionell mit dem Magnificat verbunden wurde. Rheinberger zitiert ihn nicht nur am Ende der Schlussfuge, sondern auch als Seitenthema im eröffnenden, im klassischen Sonatensatz geformten „Tempo moderato“.
Im Falle des zweiten Satzes, ursprünglich als „Intermezzo“ bezeichnet, haben wir uns für Rheinbergers spätere Bearbeitung für Oboe und Orgel – nun unter dem Titel „Andante pastorale“ – entschieden. Auch in seiner Weihnachtskantate „Der Stern von Bethlehem“ op.164 hat sich Rheinberger übrigens an dieses Werk noch einmal erinnert und es zu einem großen Chor- und Orchestersatz umgestaltet.
Umgestaltungen mit veränderter Instrumentierung stellen auch die beiden Bach-Sonaten dar: Bei der g-moll-Sonate handelt es sich um eine Einrichtung der ursprünglich mit Flöte besetzten Sonate in h-moll BWV 1030 für Oboe und Orgel. Derlei Transkriptionen haben bei Bach ja selbst ihr Vorbild (so im oben genannten Schübler-Choral), und gerade die Ausdruckstiefe dieser Sonate ist mit der Oboe durchaus gültig darstellbar.
Eine sehr viel ungewöhnlichere Besetzungsänderung erfuhr die Orgeltriosonate in Es-Dur. Die Instrumentierung mit Oboe, Saxophon und Orgel wirkt indes überraschend gewinnend und setzt – sozusagen als Hommage an J.S. Bach – einen reizvollen Schlusspunkt.
Ebenfalls als Hommage an Bach entstand das „Diptyque“ von Gaston Litaize, in dessen erstem Satz „Andantino“ die Tonfolge B-A-C-H in steter Wiederholung im Orgelpart erklingt und einen improvisatorisch wirkenden Kommentar der Oboe grundiert. Dieu parmi nous – Gott unter uns: Das bringt die Weihnachtsbotschaft vielleicht auf die kürzest mögliche Formel. Olivier Messiaen hat damit das Finale seines „Nativité“-Zyklus überschrieben – und darin auf höchst virtuose Art den ganzen Farbreichtum seiner Musiksprache zusammengefasst.
KG / 05.12.2011